Kathi hat heute bereits den 4. Tag ihres GradStep-Programms an der Uni. Sie ist da leider schon jeden Tag so richtig eingespannt - die Kurse beginnen um 8.30 morgens und dauern meistens bis 5 Uhr abends. Sie ist also bereits dabei, sich an den Uni-Alltag zu gewöhnen.
Ich hab frei, bin aber auch nicht ganz untätig. Bin bereits auf den Campus gegangen und habe mich mit Mike getroffen. Mike ist auch Geschichte-Student und war freundlicherweise so nett, mir beim Auswählen meiner Kurse für dieses Semester zu helfen. Nun bin ich fertig damit und hab noch etwas Zeit übrig. Werde also nen kleinen Spaziergang durch die Stadt nach Hause machen. Falls du auch kurz Zeit hast - ich würd mich über etwas Gesellschaft freuen. Also los!
Nur ein paar Schritte vom Campus entfernt, schlägt mein Herz auch gleich einmal schneller. Daran sind nicht (nur) die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit schuld, sondern auch das Bowling Green Fire Department, das sich direkt an der anderen Straßenseite befindet. Die haben hier ein paar echt schicke, typisch-amerikanische Feuerwehrautos stehen. Werfen wir also gleich mal einen Blick hinüber:

Ein Stückchen weiter kommen wir in die "Innenstadt" von Bowling Green. Die Bezeichnung "Innenstadt" ist vielleicht etwas übertrieben, aber hier ist definitiv am Meisten los. Die Amis sind übrigens keine großen Freunde von Umfahrungsstraßen, deshalb finden sie auch gar nix dabei, dass direkt durch ihre Stadt eine gut befahrene 4-spurige Straße führt. Herr und Frau Durchschnittsamerikaner lieben es eben, überall mit dem Auto hinfahren und am besten alles vom Auto aus erledigen zu können. Drive-In-Schalter gibts hier deswegen auch nicht nur bei Fast-Food-Restaurants, sondern auch bei Banken, Apotheken, Postämtern etc.
So sieht es jedenfalls "downtown" aus:

Nett sind hier vor allem die verschiedenen Lokale und Geschäfte. Manche sind erst in den letzten Jahren gekommen, andere existieren schon seit Jahrzehnten und haben wohl auch schon bessere Zeiten erlebt. Zu dieser Gruppe gehört auch das Innenstadt-Kino, das aber dennoch einen gewissen Charme versprüht. Würde mir gerne mal einen Film drin ansehen, hoffentlich finden wir mal Gelegenheit dazu.

Meistens biege ich dann bald in eine der vielen Seitenstraßen ein, um weg von der Hauptstraße und ihrem Lärm zu kommen. Die Nebenstraßen sind meistens kaum befahren und sehr ruhig. Gehsteige gibts hier übrigens erst seit kurzem, zuvor hatte man als Fußgänger einfach Pech. Als verwöhnter Europäer vermisse ich noch Leitplanken zwischen dem Gehsteig und der Hauptstraße. Gibts hier aber nicht - der Gehsteig ist gerade mal von nem schmalen Grasstreifen von der Straße getrennt. Okay, man kann eben nicht alles haben.
So, vor lauter Getratsche wäre ich fast am Gerichtsgebäude vorbeigelaufen. Aber nur fast :-) Hier ist es:

In den Nebenstraßen ist es wirklich meistens sehr ruhig - das heißt aber nicht, dass man dort alleine ist. Ganz im Gegenteil: Hier hopst allerlei lustiges Getier herum. Interessanterweise sieht man kaum Katzen oder Hunde herumstreunen. Die Gegend hier ist vielmehr fest in der Hand von wilden Kaninchen und Eichhörnchen. Pensionisten hängen deshalb auch keine Vogelhäuschen in die Bäume, sondern befestigen Maiskolben an Baumstämmen, mit denen sie Eichhörnchen anlocken wollen. Eichhörnchen wie dieses hier:

Lastwägen kennen die Amerikaner kaum. Dafür kennen die Trucks. Richtige TRUCKS. Hat ein Amerikaner mal etwas Kleineres zu transportieren, hat er ziemlich sicher irgendwo Zugang zu einem Pick-Up. Also entweder besitzen sie selbst einen, oder sie können sich irgendwo so ein Ding ausborgen. Falls die aber mal etwas Größeres bewegen müssen, muss ein Truck her. Da gibt es eigentlich nix dazwischen. Dieser Truck hier zum Beispiel ist die amerikanische Ausführung eines Umzugs-LKWs. Ein paar amerikanische Studenten, die heute ihr Haus in Bowling Green bezogen haben, haben ihn zum Übersiedeln angemietet.

Die Häuser in den Siedlungen sind eigentlich allesamt recht nett anzusehen. Viele davon sind ganz typisch amerikanisch. Es sind also keine Ziegelbauten, sondern überwiegend Holzhäuser - dafür haben sie viele Giebel, Erker, lustige Ecken und Verandas. Meistens darf auch die amerikanische Flagge am Eingang nicht fehlen. Die ist hier zwar gerade nirgends erkennbar, aber ich denke, ihr könnt euch trotzdem ein sehr gutes Bild von den Häusern hier machen:

Sagte ich nicht, dass es in den Seitenstraßen eher ruhig zugeht? Hier der Beweis...
Die Amerikaner halten übrigens nicht besonders viel davon, ihre elektrischen Anlagen ins Innere des Hauses zu verlagern. Gaszähler, Klimaanlage, Heizung, etc. befinden sich zumeist außerhalb des Hauses. Deshalb kann man hier manchmal auch ganz lustige Gebilde aus diversen Strommasten, Telefon- und Stromleitungen entdecken, die von Haus zu Haus führen. Hier am Foto is das auch ansatzweise erkennbar.

So, und das war's dann auch schon wieder. Da wären wir. Home Sweet Home. Unten seht ihr unser Zuhause für die nächsten 10 Monate. Hinter der grauen Tür verbirgt sich unsere (mittlerweile schon ganz ordentlich eingerichtete) Wohnung, die wir mit George und Nadine teilen. Vielen Dank für's Nach-Hause-Begleiten!

Liebe Grüße,
Manfred