Donnerstag, 13. September 2007

9/11 Gedenkfeiern

Diesen Dienstag jährten sich die Terroranschläge auf das World Trade Center zum 6. Mal. Wir hatten uns schon zu Hause gefragt, wieviel man davon in den USA mitkriegen würde. Ob die auch in Ohio große Gedenkfeiern abhalten? Immerhin sind wir ein gutes Stück von N.Y. weg. Oder wird das nur so eine wir-setzen-die-Flaggen-auf-Halbmast-und-gut-ist-Aktion? Mittlerweile kennen wir die Amis schon etwas besser und dachten uns daher bereits im Vorfeld, dass es mit ner kümmerlichen Halbmast-Flagge nicht getan sein würde... und wir hatten recht:

Die Feierlichkeiten begannen für Kathi und mich bereits morgens um 8 an der Bushaltestelle. Von der nahen High-School drang beständig Lärm zu uns herüber. Erst nach einiger Weile konnten wir den Lärm als Musik identifizieren, die die Kapelle der Schule von sich gab. Die übten um diese nachtschlafende Uhrzeit schon fleißig, um bei den Feierlichkeiten dann einigermaßen feierlich zu klingen. Meiner bescheidenen Meinung nach hatten die noch eine ganze Weile zu üben. Egal, wir wussten dadurch wenigstens bereits am Morgen, dass das kein normaler Tag werden würde.

An der Uni angekommen, fanden wir heraus, dass für 9.11 Uhr eine Campus-weite Schweigeminute eingeplant war. Na super, 9.11 Uhr fällt genau in Kathis Unterricht. Sie war deswegen etwas nervös, weil man ja nicht genau weiß, wie die das hier mit Schweigeminuten so halten. In Österreich gibts ja die Tradition der Pseudo-Schweigeminuten, bei denen man sich eben mal kurz erhebt, betreten auf den Boden starrt, sich räuspert und danke, das wars. Aber die Amis? Bestehen die auf ihr Recht auf volle 60 Sekunden? Empfinden die das vielleicht als unhöflich, wenn man als Lehrerin die Aktion nach, sagen wir, 15 Sekunden wieder abbricht? Im Endeffekt wars dann aber eh ein Selbstläufer. Kathi informierte ihre Schüler gleich zu Stundenbeginn über die geplante Schweigeminute und als es soweit war, wussten die eh, was zu tun war. Und ja, die hielten eine volle Minute durch.

Zu Mittag wurden dann rund um die Student Union (das ist sozusagen das Herz der Uni, hier werden die Studenten verköstigt, hier befindet sich die Poststelle und der Buchladen usw.) 2.997 kleine US-Flaggen aufgestellt. An jedes Opfer der Terroranschläge erinnerte also eine dieser Flaggen. Mich erinnerte das Ganze irgendwie an die bekannten US-Militärfriedhöfe, bei denen Kreuze genau ausgerichtet in Reih und Glied auf getrimmtem Rasen herumstehen. Es war aber irgendwie beeindruckend zu sehen, wie das Uni-Leben an diesen Flaggen vorbei weiterlief.



Den ganzen Tag über lief im Fernsehen spezielles Gedenk-Programm. Einer der Sender strahlte sogar das Original-Band von vor 6 Jahren aus. Also einfach deren Berichterstattung, die sie damals live gebracht haben. George und ich haben uns das eine Weile angesehen und er erzählte mir, wie er den Tag erlebt hat. George war zu dieser Zeit zwar nicht in Amerika, aber er kommt ja aus New Jersey und kennt sich daher auch in New York sehr gut aus. Außerdem hat er als Amerikaner natürlich eine ganz andere Beziehung zu dem Ganzen.

Am Abend fand dann noch eine offizielle Gedenk-Kundgebung im großen Ballsaal der Student-Union statt. Der Ballsaal war gesteckt voll - ich hab keine Ahnung, wieviele Menschen da genau reingehen, aber ich schätze einmal, dass es schon so zwischen 700 und 1.000 gewesen sein müssen. Was folgte, war eine sehr amerikanische Gedenkfeier. Die begann mit dem Hissen der US-Flagge und der Flagge des Bundesstaats Ohio durch 4 US-Soldaten. Danach erhob sich der ganze Saal von den Stühlen, eine Sängerin trat zum Mikro und sang die amerikanische Nationalhymne. Irgendwie ungewohnt für uns war, dass niemand mitsang. Wir hatten schon Bedenken, dass wir die Einzigen sein würden, die den Text nicht könnten. Aber es sang niemand mit, der Großteil legte die rechte Hand aufs Herz und blickte stumm nach vorne. Im Anschluss daran sprach ein Pfarrer über Erinnerung und Vergebung.

Dann kam ein weiterer Redner auf die Bühne - Earl Johnson, ein Überlebender der Anschläge. Das war eigentlich auch der Hauptgrund, warum Kathi und ich da hingegangen sind. Earl Johnson arbeitete im 51. Stockwerk des Nord-Turms, als dieser als Erster von den Flugzeugen getroffen wurde. Er schilderte, wie er den Tag erlebte und wie er es schaffte, noch vor dem Einsturz aus dem Turm zu flüchten. Das war dann doch sehr beeindruckend.
Abgeschlossen wurde die ganze Gedenkfeier von einer Fotopräsentation und einer Art Fackelzug über den Campus, an dem wir aber nicht mehr teilnahmen.

Von der offiziellen Veranstaltung hab ich keine Fotos. Hätte denen glaub ich nicht so gut gefallen, wenn ich plötzlich aufgesprungen wär und fotografiert hätte. Aber es waren 2 Kamerateams anwesend, die für das lokale Fernsehen filmten. Und die hatten diese original-amerikanischen Übertragungswägen, wie man sie aus Filmen kennt:

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