Am Donnerstag Morgen sind wir pünktlich um 6 a.m. aufgebrochen. Es war noch dunkel und alle vier Reisenden haben noch etwas müde aus der Wäsche geschaut. Die erste Stunde unserer Autofahrt gen Norden verbrachten wir ziemlich schweigend, da wir erst etwas zu uns kommen mussten und das geheizte Vehikel sich sehr bettähnlich anfühlte.

Wir fuhren über Toledo nach Detroit und passierten dort die Grenze zwischen den USA und Kanada durch Überqueren der Ambassador Bridge. Für uns EU-Bürger sehr ungewohnt: wir mussten alle aussteigen, unsere Pässe und Papiere von der Uni im Büro überprüfen lassen, etc. Die Grenzbeamten waren eher reserviert und konnten unser Lachen nicht verstehen, als sie uns darauf aufmerksam machten, dass wir nicht mehr als 10. 000 USD in bar einführen dürften. Aber alles ist gut gelaufen und wir wurden nicht einmal gefilzt. Dadurch motiviert legten wir gleich nach 1 oder 2 KM (!) eine Kaffeepause ein. Falls es jemandem nicht aufgefallen sein sollte, ja, ich habe km geschrieben. In Kanada rechnet man (wie im Rest der nicht-US-amerikanischen Welt) in km, m, cm, mm, kg und (weil man ja km hat) auch in km/h. Tja, für uns Europäer eigentlich erfreulich, wenn da nicht der Haken mit dem Auto wäre ... der Tacho zeigt nämlich nur mph (miles per hour) an. Gut, dass die Kanadier mitdenken, und kleine grüne km/h - mph Umrechnungsschilder aufstellen.
Nach einer Mittags- und einer weiteren Kaffeepause kamen wir dann auch irgendwann in Toronto an. Nachdem wir den Schock über das "einladende" Äußere unseres vorreservierten Hotels verdaut hatten (das Innere war seeeehr ok) machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Da Kanada lt. George "viel europäischer" ist, gab es sogar eine Straßenbahn. Es war nicht ganz warm, wolkig und v.a. total versmogt. Wir waren alle ein bisschen erschrocken, da keiner von uns jemals soetwas gesehen hatte. Über der Stadt hing ein dichter, dreckig aussehender Nebel. Er legte sich um die Wolkenkratzer, ging aber kaum über sie hinaus.

Obwohl, wie gesagt, nicht das perfekte Wetter herrschte, um von einem Türmchen zu blicken, das mal magenerfrischende 447m (obere Plattform, gesamt: 553m) hoch ist, gingen wir schnurstracks zum CN-Tower und kauften uns Tickets.

Was für ein Glück! Die unfreundliche Lady am Schalter (auch dies sehr europäisch) kündigte uns nur 45 Minuten Wartezeit an, was sich aber nicht bestätigte. Es ging ganz flugs voran und bald standen wir im Lift. Der braucht fast eine Minute bis zur unteren Plattform und hat (oh je) ein Guckfenster, auf dem man beobachten kann, wie einem der Boden unter den Füßen entschwindet. Damit aber nicht genug der Specials. Es gibt einen Glasboden, auf dem man 342 m in die Tiefe schaut. Ganz ehrlich: Kathi hat sich 10 Minuten nicht draufgetraut. Der Boden hat Stahlstreben und obwohl viele Leute draufstehen, steigt man lieber dorthin, wo diese Streben sind.
Das Wetter und die Wolken haben uns in dieser luftigen Höhe gar nicht gestört. Ganz im Gegenteil! Wir konnten tolle Fotos schießen und in Richtung Süden hatte man einen Ausblick, wie aus einem Flugzeug. So weit man schauen konnte erstreckte sich eine weiße Wolkendecke. Schwer vorzustellen, dass es in New York Wolkenkratzer gibt, die so hoch sind, wie die untere Plattform und man dort aus dem Büro so einen Anblick genießen kann, wenn das Wetter schlecht ist. Über den Wolken natürlich Sonnenschein :o)



Nach dem CN-Tower machten wir uns auf eine endlose Suche nach einem Lokal, dessen Preise uns nicht den Abend verderben konnten. Nach einem Stündchen hatten wir auch etwas gefunden ... nicht perfekt, aber wir hatten immerhin schon einen Mordshunger. Gestärkt durch ein weder reichhaltiges, noch gesundes Mahl, fuhren wir mit der Straßenbahn zurück ins Hotel. Am Gang trennten wir uns mit großen Vorsätzen für den nächsten Tag. Wir erfreuten uns noch ein wenig am kanadischen Fernsehen (geniale Quizshow, wo der Kandidat Songs weitersingen muss, um Geld zu gewinnen), schliefen aber dann bald ein, weil wir doch ziemlich erschöpft waren.
5 Kommentare:
Kathi in Lift mit Glasboden. Und das in solcher Höhe. Tapferes Mädchen! Kann mir die 10 min Überlegenszeit gut vorstellen!!!!
Mum u. Dad
der lift hat nur ein fenster. oben ist der glasboden ... aber auch das war ganz schen mutig von mir! mhm ...
Jetzt kann ich verstehen warum die Raucher so einen schlechten Ruf haben.
Aber die Fotos sind echt stark.
Ich würde bestimmt auch weiche Knie bekommen.
Bin schon neugierig auf den 2. Tag.
LG
Baumi F.
Genial!, man sollte den ganzen Turm einbohren und mit vielen kleinen und ein paar großen*g* Klettergriffen schmücken! Ach ja ganz besonders toll finde ich die Fotos. lgB
Frage an Manfred: Wenn jetzt ein Mädchen mit Rock bekleidet auf der Plattform stünde, könnt man da von unten was sehen wenn kein Nebel wär? Ist aber nicht wirklich wichtig, Hauptsache euch gehts gut. Sind immer live dabei bei euren Abenteuern und beneiden euch ein bisschen. Lg. O.Karli
Kommentar veröffentlichen