Binsenweisheit #1: Ein guter Tag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück.
Erinnert ihr euch noch an unseren Beitrag nach unserer Pittsburgh-Reise? Und an die Unverschämtheit, die die uns dort als Frühstück unterjubeln wollten? ;-)
Diesmal war alles anders. Oh ja, ganz sehr viel anders. Als wir am 2. Tag frühmorgens (um 7 hat der Wecker geklingelt - man will ja schließlich den Tag nutzen) das Frühstückslokal betreten haben, bekamen wir erstmal einen Zettel in die Hand gedrückt. Etwas verdutzt warfen wir einige schüchterne Blicke darauf und fanden heraus, dass das hier wie bei der Gemeinderatswahl funktionierte: Man kann also für verschiedene Sachen abstimmen (Ei, Fleisch, Heißgetränk, Kartoffeln, Toast) und jeweils einem der Kandidaten in der jeweiligen Kategorie sein Vertrauen aussprechen. Ich entschied mich für Rührei, Kaffee, hellen Toast und ein Kartoffellaibchen. Auf Kathis Stimmzettel wurde zusätzlich zum Kartoffel-dings noch der Kandidat mit dem trefflichen Namen "gebratener Speck" angekreuzt. Gehen wir also von der Reichhaltigkeit dieses Frühstücks aus, konnte das nur ein vortrefflicher Tag werden.
Binsenweisheit #2: Um eine fremde Stadt kennen zu lernen, sind die eigenen Füße das beste Transportmittel.
Gut, wenn dem so ist, dann spazieren wir mal los. Ein bisschen geschummelt haben wir anfangs doch und die Straßenbahn ins Stadtzentrum genommen. Ab da gings aber dann zu Fuß weiter. Wir haben uns eine Weile einfach durch das Zentrum treiben lassen und mit großen Augen und steifen Genicken die Wolkenkratzer raufgestarrt. Das war echt beeindruckend. Und laut und grau. Recht viel Platz für Grünes gibt es im Zentrum von Toronto nicht gerade. Hier dominieren Straßen, Autos und Hochhäuser. Damit man hier aber nicht vollkommen vergisst, wie eine Kuh aussieht, haben die diesen winzigen Park angelegt:

Wenn man nur so mit einer groben Richtung durch Toronto sträunt, ist der CN-Tower als Orientierungshilfe Goldes wert. Das Ding überragt ja alle anderen Gebilde und ist deshalb fast ständig präsent. Wenn man sich dann manchmal nach dem Turm umdreht, merkt man erst so richtig, wie riesig er ist.

Binsenweisheit #3: There's no business like showbusiness.
Wie, Showbusiness? Was hat das nun mit eurem Ausflug zu tun?
Ganz einfach, bei unserem Spaziergang durch die Stadt sind wir auf eine Ladung blau gekleideter Eishockey-Fans getroffen, die auf Kommando ausflippten, ihre Fahnen und Schals herumwirbelnd. Wir blieben also erst einmal stehen und beobachteten das merkwürdige Treiben. Hätten wir besser nicht tun sollen, denn nach kurzer Zeit kam eine nette Dame auf uns zu und bat uns, doch ein paar Schritte weg zu gehen, oder wenigstens nicht in die Kamera zu starren. Es stellte sich heraus, dass die verrückten Blauen zu einem Filmset gehörten - in Toronto wird gerade der neue Mike-Myers-Film gedreht (ihr wisst schon, der Komiker, der Austin Powers gespielt hat). Upps. Sorry. Wir, ahm, gehen dann mal aus dem Bild. Nichts für ungut. Hehe.
Erst dann haben wir gemerkt, dass wir direkt vor dem Eaton Center standen - einem riesigen Einkaufszentrum mit über 800 Läden. So sieht das Ding von außen aus:

Und so von innen. Irgendeines der über 800 Geschäfte muss über Nacht ein Fenster offen gelassen haben. Wie sonst sollen die Wildenten rein gekommen sein? *zwinker*

Nachdem ich dem Angriff der Todes-Federviecher noch mal gerade eben so entkommen war, nahmen wir uns eine Stunde Zeit, um das Einkaufszentrum zu erkunden. Natürlich reichte die Zeit nicht annähernd aus, um alles zu sehen. Aber nach dieser einen Stunde meldete sich mein Magen wieder zu Wort. Ja, ich weiß: Eigentlich kaum zu glauben nach DIESEM Frühstück. Wir haben uns trotzdem sicherheitshalber was zu essen gekauft und uns für die weiteren Vorhaben gestärkt.
Binsenweisheit #4: Sport ist Mord.
Ja, wir haben uns tatsächlich auch sportlich betätigt. Passiv zumindest. Wie das geht? Ganz einfach, wir waren in der Eishockey Hall of Fame. Das ist eigentlich ein großes Museum zum Thema Eishockey, in dem man zahlreiche seltene Ausstellungsstücke zu diesem Sport bewundern kann.
Hier zum Beispiel sieht man Kathi und mich mit der wichtigsten Trophäe, die der Eishockey-Sport zu bieten hat: dem Stanley-Cup. Der Stanley-Cup ist eine ziemlich große, unglaublich hässliche Silberschüssel mit unglaublich langer Tradition. Sie wird jedes Jahr an den Meister der amerikanischen Profiliga NHL verliehen. Wenn sie also nicht gerade von Spielern in die Höhe gereckt wird, bei Meisterfeiern als Trinkgefäß dient, oder beim Juwelier zum Gravieren steht, kann man sie in Toronto bewundern. Und fotografieren.

Binsenweisheit #5: Immer wieder, immer wieder, immer wieder Österreich.
Mein Lieblingsexponat in der Hockey-Hall of Fame war das Original-Eishockeytor, in das Wayne Gretzky sein 802. Meisterschaftstor erzielt hat. Außerdem hatten die eine Sammlung von Olympia-Medaillen, wie sie in den Eishockeybewerben ausgegeben wurden. Nett anzusehen war außerdem die umfangreiche Trikot-Sammlung der Hall of Fame. Neben alten, zerfetzten Pullis aus der Anfangszeit des Sports gab es auch Trikots der zahlreichen Helden zu bewundern. Und ihr werdet es jetzt nicht glauben, aber es stimmt tatsächlich: Sogar ein österreichisches Eishockeytrikot hat sich nach Kanada verirrt. Und es sollte nicht einmal der letzte Moment mit Österreich-Bezug an diesem Tag bleiben...

Nach der Hall of Fame ging es wieder ein Stück zu Fuß durch die Stadt Richtung Ontariosee. Aus dem Internet wussten wir, dass es der Stadt vorgelagert einige kleine Inseln im See gibt, von denen aus man den besten Blick auf die Stadt hat. Unerschrocken haben wir deshalb eine Fähre geentert und uns auf den Weg dorthin gemacht.
Und wurden nicht enttäuscht. Die Inseln dienen den Torontianern als Naherholungsraum und wir waren überrascht, wie ruhig es dort war - nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Ausblick war übrigens wirklich klasse:

Da wir noch immer keine Blasen an den Füßen hatten, sind wir auch die Insel noch abgelatscht. Das untere Ende der Insel erinnerte uns fast ein bisschen an einen Mittelmeerstrand. Leider war's dann doch eine Nummer zu kalt zum Baden...

Nachdem der kleine Insel-Ausflug geschafft war, waren auch wir erstmal geschafft. Wir entschlossen uns also kurzerhand, für ein Stündchen ins Hotel zurück zu fahren. Danach wollten wir uns auf den Weg nach Little Italy machen, um dort zu Abend zu essen.
Binsenweisheit #6: Es muss ein Stiegl sein.
Gesagt - getan. Eine entspannende Dusche und eine kurze Rast später machten wir uns zum italienischen Viertel der Stadt auf. Zu Fuß, klar. Unser Weg führte uns dabei durch Wohngegenden, die wir ansonsten wohl eher gemieden hätten. Aber letztendlich war's überhaupt kein Problem und niemand wurde ausgeraubt, blöd angequatscht oder sonstwas.
Schon aufm Weg nach Little Italy haben Michi und ich eine Bar ausgemacht, die Stiegl Bier im Angebot hatte. Richtiges Stiegl. Gebraut nach dem Reinheitsgebot. In Salzburg, in der ältesten Privatbrauerei Österreichs. Oh ja.
Aber wir konnten uns beherrschen, gingen nicht sofort in die Bar und setzten weiter brav einen Fuß vor den anderen (In der fixen Überzeugung, am Heimweg hier einzukehren). Das war dann aber überhaupt nicht nötig, denn auch das italienische Restaurant, das wir ausgewählt hatten, führte Stiegl. Keine Ahnung, wieso. Ist ja auch egal.
Als wir unsere Halbe bestellten, gratulierte uns der kanadische Kellner zu unserer Entscheidung. Seiner fachkundigen Meinung nach ist Stiegl das beste Bier der Welt. Da wir Gäste in seinem Land waren, wollten wir ihm nicht widersprechen. Im Gegenteil. Als wir dem Kellner dann noch erzählten, dass wir aus Salzburg kommen, war der Mann selig. Und wir auch - immerhin hatten wir unser erstes österreichisches Bier seit gut 2 Monaten. Hat echt selten zuvor sooo gut geschmeckt. Und hat auch selten zuvor so viel gekostet *schluck*
Ich klaue jetzt einfach noch Michis Beweisfoto von seinem Blog (Vielen Dank *g*) und füge es hier als Beweis für Stiegl-Existenz in Nordamerika ein:
Da auch das Essen wirklich sehr lecker war, waren wir rundum glücklich. Den Tag ausklingen ließen wir wenig später mit einer kurzen Schmökerei in einer Second-Hand-Buchhandlung und einem Eis in noch dampfend warmer Waffel.
Tag 3 (Niagara-Fälle) gibt's morgen bald :-)
5 Kommentare:
Guten Morgähn!
Tja... Zu euren Erlebnissen fällt mir auf die schnelle nur eins ein: WOW!!!!!!!!!!!!! *neidhab*
LG
Reny
PS: Habt ihr auch ein Trikot von Doug Dorsey (Mandy, ich hoff du weist wer das ist!) gefunden?? ;-)
Ich bewundere euch aufrichtig, nach so anstrengenden Tagen schreibt ihr auch noch so ausführliche Berichte für uns, die wir natürlich regelmäßig (weil täglich) voller Spannung erwarten. Nur weiter so, wir könnens kaum erwarten, wünschen euch wieder alles Liebe, O.Karli
Möstlich, diese Beiträge! Freue mich schon auf die nächsten! Bitte im Halbtagestakt!
Hallo ihr zwei!
Jetzt geb ich euch noch die offizielle Erlaubnis das Foto zu benutzen*g*. Wie schon mal gesagt, es hat uns wieder Spass gemacht mit euch einen so tollen Ausflug zu unternehmen.
@Reny: nein, leider... ich hab gesucht wie ein irrer, aber auf doug dorsey müssen die wohl vergessen haben :-(
aber dafür haben sie ein trikot von bobby hull... bobby hull! in dem ding hat bobby hull auch gespielt...
@ alle anderen: vielen dank für eure kommentare... wir werden weiterhin versuchen, regelmäßig zu posten
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