Hab ich erwähnt, dass Thanksgiving die wichtigste Reisezeit im Jahr ist? Gut. Wollte nur nochmal sicher gehen. Das mag nämlich dann manchen als Erklärung dienen, dass sich Busse nicht an ihren Fahrplan halten. Aber anders als in Österreich hatte unser Bus nach New York keine Verspätung - im Gegenteil: Er fuhr sogar zu früh weg. Und, ach ja, OHNE UNS.
Wir waren zeitlich nämlich ziemlich knapp dran und haben somit prompt gleich mal unseren ersten Bus verpasst. Der war 15 Minuten vor der Abfahrtszeit schon voll und hat es dann nicht mehr der Mühe wert gefunden, auf Passagiere zu warten, die er ohnehin nicht mehr mitnehmen konnte. Im Nachhinein verständlich. Damals fand ich's weniger lustig. Zu unserem Glück gab es da noch einen zweiten Bus - der hätte eigentlich auch schon weg sein müssen, aber hatte eine Stunde Verspätung. Puh, der hat uns also dann glücklicherweise mitgenommen und auch gleichzeitig mein Weltbild wieder etwas in Ordnung gebracht: Wenn schon, dann haben Busse doch schließlich Verspätung zu haben. Verfrühung ist schwachsinnig =)
Gut, abgesehen von einem Umsteige-Zwischenstopp in Cleveland sind wir dann auch ohne nennenswerte Probleme durch die Nacht gegondelt. Die Busfahrerin hat dem Greyhound Bus ordentlich die Sporen gegeben und so hatten wir die Verspätung am Morgen bereits wieder reingeholt. Um 10 Uhr vormittags des nächsten Tages sind wir schließlich in Newark, New Jersey angekommen, wo uns George's Vater abgeholt hat. Dass wir außer steifen Knien und Schlafdefiziten sonst noch etwas aus dem Greyhound mitbringen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nach einem ausgedehnten Nickerchen, einer mehr als nötigenden Dusche und einem ausgezeichneten Mittagessen, ging es am späten Nachmittag dann endlich in die Stadt. Genau genommen wohnt George nicht in New York, sondern in einem Vorort von Jersey City. Da Jersey City jedoch nur durch einen Fluss (den Hudson River) von New York City getrennt ist, waren wir fluxdiwux im Big Apple.
Wir begannen unsere Extrem-Sightseeing-Tour am Times Square. Laut George war es dort sogar für New Yorker Verhältnisse relativ voll, was im Klartext bedeutete: Massenhaft Leute. Den Times Square kennt man aus diversen Filmen, von Postkarten oder aus der Zeitung. Es ist jener große Platz in New York, der fast vollkommen mit Leuchtreklamen zugepflastert ist:

Kathi und meine Vieligkeit am Times Square:

Weiter ging es dann zur Grand Central Station, dem New Yorker Hauptbahnhof. Wer sich schon in St. Valentin am Bahnhof mit der Orientierung schwer tut, sollte es tunlichst vermeiden, jemals in seinem Leben von Grand Central abzufahren. Ich weiß nicht, wieviele Bahnsteige die Grand Central Station genau hat, aber Wikipedia weiß es: Es sind 44, von denen aus 67 verschiedene Gleislinien bedient werden. Dank des strammen Marschiertempos, das unser Fremdenführer George an den Tag legte, schafften wir es pünktlich zur rush hour zum Bahnhof und fanden ihn, wenig überraschend, ganz gut besucht vor:

Die nächste Station unserer Tour waren das Rockefeller Center und die gegenüber liegende St. Patrick's Cathedral. Leider waren wir eine Woche zu früh dran, um die weihnachtliche Stimmung in New York in seiner ganzen unerbittlichen Fülle auskosten zu können, aber zumindest der traditionelle Christbaum vor dem Rockefeller Center war schon auf den Beinen. Außerdem konnte man auch schon vor dem Rockefeller Center Eis laufen, was Kathi und ich beim Anblick der Warteschlange aber dann doch sein ließen (nicht zum letzten Mal bei diesem Ausflug).
Die St. Patrick's Cathedral gegenüber war etwas, naja, ungewohnt für Europäer. Jetzt weniger von außen betrachtet, obwohl's schon witzig aussah, wie die Kirche von den Wolkenkratzern überragt wurde. Ich meine eher im Kircheninneren: Da hängt zum Beispiel ganz groß eine amerikanische Flagge über dem Kirchenschiff. Außerdem gibt es IN der Kirche einen Souvenirshop und für jede Bankreihe in den Seitenschiffen einen eigenen Monitor (an den Säulen angebracht), damit man auch ja nix verpasst. Tja... typisch amerikanisch würd ich mal sagen.

Innenansicht der St. Patrick's Cathedral mit - wie könnt's auch anders sein - amerikanischer Flagge:

Da es mittlerweile so richtig dunkel geworden war, wollten Kathi und ich die Aussicht auf die Stadt sehen. Wir nahmen deshalb die U-Bahn Richtung Brooklyn Bridge. Dort angekommen, wanderten wir eine Weile über die Brücke, bis uns der Frost vom Weiterwandern abhielt. Die Brooklyn Bridge ist über einen Kilometer lang und bietet einen sehr guten Ausblick auf die Stadt. Aufgrund der angesprochenen Kälte haben wir es nur ca. bis zur Hälfte der Brücke geschafft. Das reichte aber auch schon für ein paar Fotos:

Zum Abschluss unseres ersten New-York-Tages besuchten wir noch Ground Zero. Dort findet man momentan vor allem 2 Sachen: Eine Gedenkstätte für die Verstorbenen der Terroranschläge und eine riesige Baustelle. Obwohl wir als Österreicher keinen so direkten Bezug zu den USA gehabt haben, war es doch irgendwie merkwürdig und bedrückend zugleich, plötzlich selbst an diesem Ort zu stehen. Neben Ground Zero steht heute noch ein beschädigter Wolkenkratzer, in dem früher die Deutsche Bank ihren New Yorker Hauptsitz hatte. Aufgrund von Versicherungsstreitigkeiten wurde da bis heute noch nicht viel dran gemacht. Das heißt, der Wolkenkratzer wurde abgesichert, aber nicht komplett abgerissen oder von Grund auf renoviert. Er steht einfach so da, abgedunkelt neben der riesigen Baustelle und erinnert an die Geschehnisse des 11. September 2001.

So soll New York in ein paar Jahren aussehen: Der so genannte Freedom Tower wird momentan, gemeinsam mit anderen Wolkenkratzern, am Ground Zero errichtet.

Das reichte uns dann auch erst einmal für den ersten Tag. Wir hatten ja noch 2 weitere Tage in New York vor uns (dachten wir) und außerdem war es schon 10 Uhr abends geworden. Wir nahmen also die U-Bahn raus aus New York und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag. New York, wir kommen wieder!!!
3 Kommentare:
Hallo ihr zwei Weltenbummler!
Ich freue mich wieder was von euch zu hören.(lesen)
LG
von allen
Baumis
Glaubt Ihr eigentlich, dass Santa Claus euren Blog liest? Ich hoffe doch, denn das Christkind kann nicht Englisch.
Netter Gag, gar nicht so leicht zu finden.
Freut mich, dass jemand meine Geheimbotschaft entschlüsselt hat. Wir sind nicht ganz sicher, ob Santa oder das Christkind hier mitliest.
Aber nur für den Fall, dass die hier manchmal reinschauen, wollten wir unseren Standpunkt klar machen :o)
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