Nachdem im Anschluss an meinen letzten Beitrag der Einwand aufkam, Damen-Basketball sei unter meiner Würde, will ich mich mit meinem heutigen Eintrag rehabilitieren. Also an alle von Testosteron überfluteten und vor Y-Chromosomen nur so strotzenden Leser dieses Blogs: Tut mir leid, dass ich euch mit dem letzten Eintrag belästigt habe. Extra für euch geht es heute dafür um das Männlichste aller Themen: Motoren, Trucks und dicke Brummer. Oh ja. *horr horr horr*
(<---- Tim Taylor Grunzen, Anm. d. Red.)Man sagt ja vielen Nationen unterschiedliche Verhaltensmuster nach. Italiener, zum Beispiel, sollen ausnahmslos temperamentvoll sein, während die kühlen Finnen aus dem hohen Norden kaum mal ein Wörtchen über die Lippen bringen sollen. Dank dieser Klischees wissen wir auch, dass alle Österreicher permanent jodeln, alle Tschechen Skoda fahren und alle Russen dauerhaft betrunken sind. Deutschen Männern wird wiederum nachgesagt, dass sie ihre Autos oftmals zu sehr schätzen.
Oh halt - deutschen Männern wird das nachgesagt?!? Also ich kenne zumindest noch ein Volk, das seine Autos ziemlich gern hat ;-) Richtig, Amerikaner.
Im Unterschied zu deutschen Männern steht bei den Amerikanern allerdings nicht die Wagenpflege an erster Stelle. Vielmehr ist man (besonders hier im Mittleren Westen) schlicht und einfach auf diesen fahrbaren Untersatz angewiesen. Ohne Auto kommt man aus Bowling Green beispielsweise gar nicht weg. Es führt zwar eine Eisenbahnlinie durch die 30.000-Einwohner-Stadt, allerdings hat BG keinen eigenen Bahnhof. Und die einzigen Busse, die in Bowling Green verkehren, sind lediglich dazu da, Studenten zur Uni zu bringen. Ja, es gibt nicht einmal ein richtiges Taxi-Unternehmen aus Bowling Green. Wer hier also ohne eigenes Auto strandet, bleibt erst einmal eine Weile da. Daher die hohe Wertschätzung der Amerikaner für ihre Autos.
Wer allerdings ein Auto hat, dem geht es hierzulande richtig gut. Es gibt da nämlich einige nette Annehmlichkeiten, die Herrn und Frau Autofahrer das Leben hier versüßen. Ihr wisst nicht, worauf ich hinaus will? Macht nix, hier erst mal ein Foto :-)

Das ist Rally's Hamburger. Wie der Name schon vermuten lässt, gibt es dort lebenszeitverkürzendes, fettiges, unglaublich leckeres amerikanisches Fast-Food. Oh, und die haben auch einen Drive-In.
Nein, halt. Die haben nur einen Drive-In. Das ganze Restaurant besteht nur aus Küche und Drive-In-Schalter. Wer sich also zum Essen hinsetzen will, muss mit den Gartengarnituren im Freien Vorlieb nehmen (bei den momentanen Temperaturen hier kein Vergnügen). Oder aber man kommt gleich mit dem Auto, fährt zum Fenster vor, bestellt, und verzehrt die Köstlichkeit dann am großzügig angelegten, Restaurant-eigenen Parkplatz. Sowas gibt es nämlich schon.
Okay, noch ein Beispiel. Was, denkt ihr wohl, ist das?

Keine Idee? Sieht ja auch ein bisschen nach einem Drive-In aus, nicht? Isses auch. Allerdings gehört dieser Drive-In nicht zu einem Restaurant, sondern... sondern... sondern... na?
Richtig, zu einer Bank. Über Gegensprechanlage und Rohrpost ist man hier mit den Bankangestellten verbunden. Das ist schon praktisch, denn für alltägliche Bankgeschäfte muss man somit nicht einen einzigen Fuß aus dem Wagen setzen.
Bei dieser lustigen grünen Blechbox am Foto handelt es sich nämlich nicht um einen Radarkasten, sondern um einen Bankomaten. Für uns europäische Fußgänger war es anfangs auch etwas komisch, wenn wir uns am Bankomaten angestellt haben. Ich meine, es gibt angenehmere Mitwartende als laufende Autos. Man fühlt sich da irgendwie umzingelt, bedroht und ganz schön klein. Aber hey, man gewöhnt sich an alles.

Aber nicht nur Banken und Restaurants haben Drive-Ins. Auch das Postamt besitzt sowas. Und auch - wie auf diesem Bild zu sehen - Apotheken.
Während es für uns doch etwas eigenartig war, sind Amerikaner daran gewöhnt, ihre Erledigungen vom Wageninneren aus zu machen. So sehr, dass die Autoindustrie mittlerweile reagiert hat und beheizbare Becherhalter für viele neue Automodelle anbietet. Wenn man im Auto isst, Geld behebt, Medikamente abholt oder Briefe verschickt, verbringt man schließlich eine ganze Weile im Wageninneren. Der Komfort soll dann allerdings auch nicht darunter leiden...